Monschau

Monschau

Diese Tour ins malerische Eifelstädchen Monschau fand im August 2020 statt. Bei der Anfahrt mit dem Auto über die Schleidener Straße nähert man sich Monschau aus süd-östlicher Richtung. Parken kann man auf Stellflächen direkt am Straßenrand der Austraße, die hier an der Rur entlang führt. Von hier aus kommt man mit dem Auto nur noch als Anlieger näher an den Stadtkern heran. Wenn man sich auf Höhe der ersten Gebäude am Rurufer befindet, hat man einen Fußweg von nur noch wenigen Minuten vor sich, um hinein in die historische Altstadt zu gelangen. Zusätzlich zu den Parkplätzen direkt an der Austraße gibt es mit dem Parkplatz Aukloster hier noch weitere Stellflächen. Die Parkgebühren sind moderat.

Schelmetreppcher

Wer seine Vorfreude auf die bekannten Attraktionen im Stadtkern nun noch etwas verlängern möchte, gut zu Fuß ist und etwas Zeit im Gepäck hat, der kann von der Austraße aus, die hier stadteinwärts direkt zum Markt hin führt, zunächst links in den Hang hinein steigen, nämlich das „Schelmetreppcher“ (Schelmentreppchen) hoch. So hatte ich es auf Empfehlung hin gemacht und stand nach kurzem, steilen Aufstieg an einer Weggabelung kopfsteingepflasterter Sträßchen, links „Oberer Mühlenberg“, rechts herunter den „Markt“. Hier oben ist man an der Ostseite des Kierbergs und taucht sofort ein in die historisch anmutende Umgebung in leiser und privater Atmosphäre, mit ihrer typischen Fachwerkbauweise und den Schieferverkleidungen an den Häusern, die in der historischen Altstadt von Monschau überall zu sehen sind.

Auf dem Oberen Mühlenberg nähert man sich dem Monschauer Stadtkern nun von oben und hat an einigen Stellen Sicht auf den dann rechts auftauchenden Rahmenberg und die Haller Ruine, die sich hier jenseits der Rur befinden. Nach diesem sportlichen Auftakt wird man, unten im Städchen angekommen, mit einem der bekanntesten Motive der historischen Monschauer Altstadt empfangen, nämlich mit dem Blick auf die evangelische Stadtkirche und das Rote Haus an der Rurbiegung.

Von hier aus kann man Monschau nun in alle Richtungen bestens erkunden. Auf dem Marktplatz, der hier nur wenige Meter weit entfernt ist, lässt sich aber zunächst mit einem Stück guten Kuchens und einer Tasse frisch duftenden Kaffees erst einmal ausruhen und die Ankunft an diesem romantischen Ort par excellence genießen.

Das heutige Stadtbild von Monschau mit seinen schmucken Fachwerkhäusern und den prachtvollen Bürgerhäusern stammt maßgeblich noch aus der Tuchmacherzeit des 17. und 18. Jahrhunderts. Damals war Monschau für seine hochwertigen Tuche überregional bekannt. Die große Nachfrage nach Monschauer Tuch brachte Wohlstand für Unternehmer, die Tuchmanufakturen aufgebaut hatten und betrieben.

Monschaus Tuchindustrie – Aufstieg und Niedergang

Der wirtschaftliche Aufstieg Monschaus zu einer der bedeutendsten Tuchmacherstädte begann in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Lange galten protestantische Religionsflüchtlinge aus Aachen und Umgebung als diejenigen, die das Gewerk der Tuchmacherei in Monschau ansässig gemacht und für einen wirtschaftlichen Erfolg maßgeblich vorbereitet hatten. Sie konnten im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) hier ihre neue Heimat finden und sich niederlassen, weil die Landesherren ihnen hier die Freiheit zur Religionsausübung gewährten. Heute nimmt man bei der Stadt Monschau an, dass es vielmehr einheimische katholische Familien der Region waren, die das Handwerk zum Erfolgsmodell machten. Sicher ist, dass Monschau schon aufgrund seiner natürlichen Ressourcen und der geografischen Lage günstige Bedingungen zur Tuchproduktion bot. Insbesondere das kalkfreie Wasser der Rur, der Brenntorf aus dem nahegelegenen Hohen Venn und die Tatsache, dass der Ort aufgrund seiner abgeschiedenen Lage auch vom Krieg weitgehend verschont geblieben war, ermöglichten die Errichtung und den Betrieb von gut funktionierenden Produktionsstätten.

Schließlich war es der Tuchmacher und Kaufmann Johann Heinrich Scheibler (1705 bis 1765), Sohn eines evangelischen Pfarrers und Enkel eines evangelischen Geistlichen, der der Feintuchproduktion des Ortes zum europaweiten Durchbruch verhalf und Monschauer Tuch zum Markenartikel machte. Ihm gelang es, auf den großen Messeplätzen überregionale Handelsverbindungen zu knüpfen. Die Produkte aus seiner Tuchfabrik wurden mit den modernsten Methoden und feiner Merinowolle, die eigens aus Spanien importiert wurde, hergestellt und überregional, bis nach Russland und Ägypten, verkauft. Scheibler trug so maßgeblich zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg der Stadt Monschau bei. Den Höhepunkt des Erfolges erreichte man mit der Feintuchherstellung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das „Rote Haus“ und „Haus Troistorff“ zeugen heute noch vom Glanz der großbürgerlichen Wohnkultur, die man sich damit leisten konnte. Die wohlhabenden protestantischen Tuchfabrikanten ließen sich 1787 eigens eine Kirche errichten.

Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert jedoch ließ sich an die großen Erfolge des 18. Jahrhunderts nicht mehr anknüpfen. Die politischen Umbrüche, wie der Einmarsch französischer Revolutionstruppen 1794, damit einhergehende Konfiszierungen, der Anschluß Monschaus an die Preußen 1800 und letztlich ein verpasster Anschluss an die industrielle Entwicklung trugen dazu bei, dass die Tuchindustrie im Ort an Wirtschaftskraft und Bedeutung einbüßte. Es wanderten Unternehmer ab und Fabriken wurden geschlossen. Die Bevölkerungszahl ging im 19. Jahrhundert um fast 40% zurück. Die letzte Tuchfabrik wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschlossen (1908), das restliche Textilgewerbe, auf das man sich verlagert hatte, kam schließlich in den 1960er Jahren zum Erliegen.

Historische Altstadt

Der historische Stadtkern Monschaus befindet sich im Rurtal und im Tal des Laufenbachs. Die Häuser wurden bis nah an den Flußlauf der Rur heran gebaut, die Monschau in Form eines auf der Seite liegenden Buchstabens „S“ von Westen nach Osten durchfließt. Der Laufenbach fließt aus nördlicher Richtung hinzu und ist größtenteils überbaut worden, sodass er über weite Strecken hinweg im Straßenbild gar nicht sichtbar ist. Im Zentrum, an der evangelischen Stadtkirche, mündet er in die Rur. Auch an den Talflanken, wie am Oberen Mühlenberg oder unterhalb der Burg Monschau, sind im Laufe der Jahrhunderte Gebäude entstanden.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Monschau aufgrund der schnellen Einnahme durch die Amerikaner im September 1944 weitgehend unzerstört. Es ist nicht zuletzt seine bis in die Gegenwart reichende Authentizität, die die Faszination dieses wundervollen Ortes ausmacht. Wer sich zunächst eine Übersicht verschaffen möchte, dem bieten sich drei dazu besonders gut geeignete Stellen, nämlich der Rahmenberg (einfach erreichbar über den „Panoramaweg“ am Laufenbach, Richtung „Ruine Haller“), der Aussichtpunkt am Kierberg (z.B. über „Oberer Mühlenberg“, „Sonntagsley“) und der Eselsturm an der Burg Monschau (über „Bergstraße“ und „Schloßkehr“ oder über „Schloßberg“ fußläufig erreichar).

Zu den Sehenswürdigkeiten von Monschau, die man sich auf einem Spaziergang durch Monschaus Sträßchen und Gäßchen ansehen kann, zählen die evangelische Stadtkirche, das Rote Haus, Burg Monschau, Haus Troistorff, der Tuchmacherbrunnen am Markt, die Bronzeplastik Maaßens Päulchen, die verschiedenen Rurbrücken, die Ruine Haller, die Historische Senfmühle, die Caffee-Rösterei Wilhelm Maassen und der Monschauer Handwerkermarkt mit Glasbläserei. Es gibt auch eine Stadtbahn, die am Ortseingang Burgau abfährt, mit der man sich markante Highlights des Städtchen ohne die Anstrengung eines Fußwegs erschließen kann.

Parken in Monschau kann man – wie oben beschrieben – am östlichen Ortseingang an der Austraße und auf dem Parkplatz Aukloster (93 Plätze). Zudem gibt es Stellplätze am Parkhaus Seidenfabrik im Laufenbachtal (87 Plätze) und auf dem Parkplatz Burgau (326 Plätze). Je angefangene Stunde kostet das Parken 2€ oder eine Tagesgebühr von 7€, wobei es täglich von 10 Uhr bis 19 Uhr gebührenpflichtig ist.

Weitere Informationen:
www.monschau.de

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