Ulmener Maar

Eifelmaare, Teil 1

Im Juli habe ich mich für einige Tage in der Eifel eingemietet, um direkt von dort aus und mit kürzeren Anfahrtswegen Touren zu unternehmen. Dabei sind einige Fotoserien entstanden, die ich hier veröffentliche. Zunächst wird es um die Eifeler Maare gehen. Dieser erste Beitrag zeigt nun einige der Eindrücke, die ich bei meinem Ausflug zum Ulmener Maar erhalten habe. Doch zuallererst, ganz allgemein.

Was ist ein Maar?

Als Maar bezeichnet man den Krater eines Maarvulkans. Maarvulkane weisen einen in die Erdoberfläche eingetieften Krater auf und sind von einem ringförmigen Wall umgeben. Diese Struktur lässt sich unterscheiden von der anderer Vulkantypen, wie beispielsweise Schichtvulkanen, die mit ihren hohen Kegeln im Landschaftsbild aufragen, vgl. Mount Saint Helens in den USA. Die meisten Maare in der Vulkaneifel sind heute verlandet. Einige sind aber mit Wasser gefüllt, und um diese wird es in dieser Serie gehen.

Die Eifeler Maare sind das Ergebnis vulkanischer Aktivität, die sich hier noch bis vor ca. 10.000 Jahren in Form von Vulkanausbrüchen zeigte. Heißes, flüssiges Gestein, das Magma, trifft bei seinem Aufstieg durch die Erdkruste auf wasserführende Gesteinsschichten. Das verdampfende Wasser mit seinem hohen Raumbedarf führt zu enormen Explosionen unterhalb der Erdoberfläche, bei denen die darüberliegenden Gesteinsschichten weggesprengt werden. Auswurf aus dem Vulkan verteilt sich in der Umgebung als Tuffmaterial und häuft sich am Kraterrand als Kraterwall. Der Explosionskegel verfüllt sich mit nachrutschendem Gesteinsmaterial von den umgebenden Steilwänden. Ein Lavastrom an die Erdoberfläche findet in der Regel nicht statt.

Eifelvulkanismus

Der Vulkanismus in der Eifel konnte lange Zeit nicht schlüssig erklärt werden. Erklärungsmodelle, die an anderen Orten des Planeten durchaus funktionieren, griffen hier nicht. Insbesondere läßt sich vulkanische Aktivität in der Eifel nicht mit einer Lokalisation an einer Plattengrenze im Sinne der Plattentektonik erklären, da sich die Eifel weit aufseits der Eurasischen Platte befindet.

Einige Geowissenschaftler nehmen heute an, dass der Vulkanismus in der Eifel mit der Entstehung von Plumen erklärbar ist. Plume sind vorstellbar als Blasen flüssigen, heißen Gesteins, die durch den oberen Erdmantel bzw. die Erdkruste aufsteigen, sich ihren Weg nach oben gleichsam frei-schweißen. Unter der Eifel könnte sich nach Ansicht dieser Wissenschaftler ein Plum bemerkbar machen, ein Reservoir heißen Gesteins also, das geologische Prozesse sicht- bzw. messbar macht, die wir vulkanisch nennen.

Ein anderes, neueres wissenschaftliches Modell nimmt an, dass Gebirgsbildungsprozesse in den Alpen, mit dem Abtauchen von Unterer Kontinentaler Europäischer Kruste in den Erdmantel, vor mehreren Millionen Jahren zu unterschiedlichen Spannungsfeldern in der Europäischen Erdkruste führten und dies die Ursache für den Vulkanismus in der Eifel ist.

Einige weisen darauf hin, dass mit dem jüngsten Ausbruch eines Maarvulkans in der Eifel vor erdgeschichtlich winzig wenigen Jahren (Ausbruch Ulmener Maar vor ca. 10.000 Jahren; vgl. Entstehung der Erde vor 4,54 Milliarden Jahren), und der Struktur, die für vulkanische Ereignisse bekannt ist, ein Abklingen der vulkanischen Aktivität in der Eifel weder stattgefunden hat noch zu erwarten ist. Vielmehr gibt es Vulkanologen, die Ausbrüche auf dem Gebiet der Eifel in der nächsten geologischen Zukunft für sehr wahrscheinlich halten. Von gegenwärtiger vulkanischer Aktivität in der Eifel zeugen zum Beispiel aufsteigende Gase, die im Bereich der Eifeler Vulkane nachweisbar sind (vgl. Mofetten am Laacher See) und seismische Messungen im Gebiet zwischen Laacher See und Koblenz.

Entspannender Erlebnisraum

Doch die Eifeler Maare sind nicht nur ein spannendes Thema. Sie sind genauso ein zutiefst entspannendes Erlebnis.

Das eine dabei etwas offener und robuster, etwa zum sportlichen Ausgleich geeignet, touristisch erschlossen und von frohem Kinderlachen durchschallt. Das andere verträumter, versteckt und romantisch, und genau richtig für frisch Verliebte, für vertrauensvolle Momente an lauschigen Sommerabenden zu zweit.

All ihnen wohnt ein Zauber inne.

Beim Ulmener Maar

Das Ulmener Maar („Junger Heißsporn“) gilt als das jüngste der Eifel-Maare, man geht von einem Alter von etwa 9.500 Jahren bis höchstens 12.400 Jahren aus. Das Maar ist 37 Meter tief und hat eine Seefläche von 5,4 Hektar.

Am Maar 7
56766 Ulmen
50.20978804 N
6.9809448 E

Zur Veranschaulichung: Ein Hektar entspricht einer Fläche von 10.000 Quadratmetern, also 100 mal 100 Metern. Ein Fußballfeld ist demnach etwa ¾ Hektar groß (genau: 0,714 ha; siehe IFAB, 2008). Das Ulmener Maar hat deshalb eine Fläche von ca. 7 ½ Fußballfeldern.

Aufsteigende Gasblasen in Tiefen von mehr als vier Metern im Randbereich zeugen von vulkanischer Aktivität. Die Schichten der Lockergesteine und Aschen, die beim Ausbruch ausgeworfen wurden und sich in Form des Kraterwalls aufgetürmt haben, sind oberhalb der Kirche St. Matthias aufgeschlossen. Dort kann man sich ansehen, wie Erdgeschichte sich niederschlägt.

Die Hänge des Maarkessels in Ulmen sind bewaldet und von einem Rundweg erschlossen. Man kommt hier vorbei an Obstbäumen, kann Wissenswertes über Flora und Fauna der Umgebung mit den angebotenen Informationstafeln erfahren und an Tisch und Bänken Rast einlegen. Auf dem südlichen Kraterrand befindet sich eine mittelalterliche Burgruine, die stets besichtigt werden kann und von der aus man einen guten Blick über das Maar hat. Baden ist in dem Natur- und Wasserschutzgebiet nicht gestattet.

Ein kleiner Platz am Ufer an der Ortsseite lädt mit Bänken zum Verweilen im Schatten einiger Bäume ein. Verkehrsruhig, mit Blick auf die Ufervegetation, umgeben von Häusern mit Fachwerkelementen und vor dem Hintergrund der St. Matthias Kirche, hat dieser Raum etwas von der Lauschigkeit und Geklärtheit eines kleinen Kurortes.

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