Perlenbachtal und Fuhrtsbachtal

Die Ausflüge zur Narzissenblüte im Perlenbach- und Fuhrtsbachtal fanden an zwei Terminen im April 2015 und im April 2016 statt. Ausgangspunkt beider Touren war der Parkplatz am Mühlenweg (K25), ca. 50 Meter von der Perlbacher Mühle (auch: Höfener Mühle) bei Höfen entfernt. Mit dem Auto von Köln kommend dauert die Anreise über die A1 ca. 1 ½ Stunden. Eine der beiden Wanderungen führte ausschließlich am Perlbach entlang bis zum Unteren Steg. Auf einer weiteren Tour wanderte ich entlang des Fuhrtsbachs und südlich bis zum Bieley, um dann wieder Richtung Norden am Perlbach entlang zum Ausgangspunkt zurückzukehren.

Das Perlenbachtal liegt südlich von Höfen, ca. 4 km südlich von Monschau im Kreis Aachen, an der Grenze von Belgien und Deutschland. Der Bach entsteht aus kleineren Bächen und Rinnsalen im Perlenbach-/Fuhrtsbachtalsystem. Er fließt Richtung Norden, um in der Perlenbachtalsperre gestaut zu werden und mündet schließlich in die Rur. Die Perlenbachtalsperre fasst 800.000 m³ (zum Vergleich, Rurtalsperre: 203,2 Mio. m³), mit ihrem Wasser werden auf mehr als 400 km² der Region Haushalte mit Trinkwasser versorgt (400 km² entsprechen ungefähr der Fläche des kölner Stadtgebiets). Die Qualität des Wassers ist sehr gut, Grenzwerte der ohnehin strengen deutschen Trinkwasserverordnung werden deutlich unterschritten.

Weg des Gedenkens

Die Region Monschau war im 2. Weltkrieg Ort intensiver Kämpfe zwischen deutschen und alliierten Verbänden. Das Dorf Höfen wurde dabei zwischen September 1944 und Februar 1945 fast völlig zerstört. ¾ der Häuser und fast alle Straßen der Umgebung waren zerbombt, Strom- und Wasserversorgung lagen darnieder. Mehr als 2211 Hektar umgebender Waldflächen waren zerstört.

Kaum einige Minuten durch den Wald gewandert, findet man selbst Relikte aus dem Krieg. Teile des Westwalls ragen in Form von Bunkeranlagen aus dem Bewuchs. Sie wurden noch viele Jahre nach dem Krieg als Sprengbunker eingesetzt, um Kampfmittel zu beseitigen. Am Start des Wanderwegs erinnert eine Tafel an den verheerenden Krieg.

Größtes deutsches Vorkommen der Gelben Narzisse

Das Naturschutzgebiet im Perlenbachtal und Fuhrtsbachtal gehört heute zu den landschaftlich reizvollsten Eifeltälern. Bereits im Mittelalter wurden die Talwiesen von Bauern genutzt. Diese leiteten im Vorfrühling Bachwasser auf die nährstoffarmen Böden, mähten im Sommer die herangewachsenen Gräser und Kräuter und verfütterten diese im Winter an ihr Vieh. Die regelmäßige Bewässerung, die alljährliche Mahd und das Berglandklima trugen über die Jahrhunderte dazu bei, dass sich blumenbunte Bärwurzwiesen und Borstgrasrasen entwickelten, die heute die größten deutschen Vorkommen der Gelben Narzisse beheimaten.

Die Blüten der wild wachsenden Gelben Narzisse sind deutlich zweifarbig und kleiner als die der Osterglocken städtischer Vorgärten. Die gelbe, röhrige Nebenkrone wird von sechs blassen Kronlättern umgeben. Ursprünglich war die Gelbe Narzisse eine Pflanze der Laubwälder. Sie nutzt das Sonnenlicht des Frühjahrs, solange die Bäume noch nicht belaubt sind. Die Narzissen im Perlenbach- und Fuhrtsbachtal sind streng geschützt und dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden. An den Wanderwegen entlang des Perlenbachs und des Fuhrtsbaches wächst die Pflanze auf Wiesenflächen am Bach und zwischen Büschen sowie dem Unterholz des Waldes. Zudem sind Bärwurz, die Schwarze Teufelskralle, Wasseramsel, der Blauschillernde Feuerfalter und die Gerandete Jagdspinne nur einige weiterer Pflanzen und Tiere, die hier typischerweise vorkommen.

Die alte Kulturlandschaft wäre aber beinahe verschwunden. In den 1950er bis zum Ende der 1980er Jahre gaben viele Bauern die Mahd der Wiesen auf und forsteten statt dessen die Flächen mit schnell wachsenden Fichten auf, denn zu ertragsarm und aufwändig war die Bewirtschaftung der Wiesen. Die stark schattenden Nadelbäume drängten die blumenbunte Krautschicht und damit den wertvollen Lebensraum vieler Pflanzen- und Tierarten zurück, sodass diese fast gänzlich verschwanden. Zum Ende der 1980er Jahre fand ein Umdenken hin zum Naturschutz statt, und die Nordrhein-Westfalen-Stiftung kaufte in dem Gebiet mehr als 60 Hektar Land, um die alte Kulturlandschaft zu retten. In Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden, Vereinen, Organisationen und Landwirten der Region wurde der offene Landschaftscharakter des Talsystems wieder hergestellt und die wertvolle Bachaue renaturiert. Viele der blumenbunten Wiesen werden heute wieder durch Landwirte gemäht und die Schönheit und die Eigenart des Perlenbach- und Fuhrtsbachtals konnte erhalten werden.

Perlenfischerei im Perlbach

Der Perlenbach verdankt seinen Namen den Perlen einer seltenen Süßwassermuschel, der Flussperlmuschel. Diese Tierart war in den Bächen des Talsystems früher mit flussbettdeckenden Kolonien heimisch. Jahrhundertelanges Muschelfischen und der höchst störanfällige Vermehrungsprozess der Muscheln haben sie jedoch an den Rand des Aussterbens gebracht. Obwohl Perlendiebstahl hier im Mittelalter mit dem Tod am Galgen auf dem Galgendamm bestraft worden sein soll, änderte dies offenbar nichts an der massenhaften Ausräuberung der Muschelbestände. Nur wenige uralte Exemplare leben heute noch an einer versteckten Stelle des Talsystems. Mittlerweile erscheint aber wieder möglich, dass die Flussmuschelpopulation im Perlenbach sich eines Tages erholt. Diverse Naturschutzmaßnahmen und ein ausgeklügeltes Nachzuchtprogramm von Wissenschaftlern und Naturschützern könnten zum Erhalt der Population beitragen.

Weiter:

Anbei einige Fotos, die auf den beiden Eifeltouren entstanden sind:

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