Grüner Pütz

Bei dieser Tour ging es zum Grünen Pütz, einer Urfttalaue bei Nettersheim. Die Auenfläche wird an einer Seite von einem bewaldeten Hang gesäumt, entlang dessen sich eine der Quellfassungen der Eifelwasserleitung befindet.

Römerwasserleitung nach Köln

Etwa 180 Jahre lang versorgte die Eifelwasserleitung das antike Köln mit frischem Quellwasser aus der Eifel. In mehreren Quellgebieten in der nördlichen Eifel wurden Trinkwasserquellen mittels verschiedener Methoden gefasst und ihr Wasser über ein mehr als 95 km langes Aquädukt nach Köln – bzw. in die damals römische Stadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium – geführt. Die auch als Römerkanal bezeichnete römische Wasserleitung nach Köln ist der längste Aquädukt nördlich der Alpen. Die Bauarbeiten zu diesem Großprojekt begannen um das Jahr 80 n. Chr. Vom römischen Heer aus Stein, Mörtel und Beton erbaut, transportierte die Leitung bis zu 20.000 m³ Trinkwasser pro Tag allein aufgrund des präzise eingebauten Gefälles, das auf dem Weg zwischen den Eifelquellen und Köln zur Verfügung steht.

Es sind 20.000 m³ = 20.000 m³ x 1.000 Liter/m³ = 20.000.000 Liter, oder 20 Millionen Liter,
die pro Tag durch die Eifelwasserleitung flossen.

Zum Vergleich:

  • 1 Badewanne fasst 200 Liter. Also floss so viel Wasser wie aus Hunderttausend Badewannen pro Tag durch die Leitung nach Köln.
  • 1 LKW-Container fasst 25 m³. Es flossen also 800 LKW-Ladungen pro Tag durch die Leitung.
  • 1 Schwimmbecken (25m x 20m x 2m) fasst 1.000 m³ = 1 Million Liter. Es wurde also Wasser, das 20 Schwimmbecken füllt, pro Tag durch den Römerkanal nach Köln geleitet.

Das Gefälle zwischen dem Mittelgebirge Eifel und der Stadt in der Kölner Bucht lieferte dem Wasser die nötige Energie, um ohne zusätzliche Energiezufuhr in die Stadt am Rhein zu fließen. Der Verlauf der gesamten Leitungsstrecke war zuvor präzise vermessen worden, so hatten die römischen Ingenieure im Gelände die einzig mögliche Stelle ausfindig gemacht, um ohne Tunnel oder Druckrohrleitung die Wasserscheide zwischen Maas und Rhein überwinden zu können. Weitere kritische Stellen auf der Leitungsstrecke wurden mittels Brücken und Durchführungen überwunden.

Für einen Ausflug mit dem Auto kann man zum Beispiel an der Verbindungsstraße zwischen der L205 und der L204 zwischen Nettersheim und Steinfeld parken, um von dort aus den kurzen Weg (2,4 km) zum Grünen Pütz zu wandern. Der Parkplatz am „VIA Mansio Nettersheim“ befindet sich bei einem Wetter-Unterstand, der zum Projekt „Erlebnisraum Römerstraße“ der Europäischen Union gehört. Auf der Google-Karte sind die Details zur Route abgebildet. Am östlichen Zugang zur Urftaue befindet sich ein Parkplatz – wenn es sein muss, kommt man also offenbar auch noch näher mit dem Auto an den Grünen Pütz heran.

Über Waldwege kann man die Aue dann aus westlicher oder aus östlicher Richtung betreten, zunächst findet man in beiden Fällen eine locker mit Bäumen bestandene Wiesenfläche vor, auf der auch Rastmöglichkeiten vorhanden sind.

Auenwiese, Brunnenstube, Sickerleitung und Römerkanal

Über den westlichen Zugang begeht man die Talaue entlang der Wasserleitung entgegen ihrer ursprünglichen Fließrichtung. Sie befindet sich dann rechtsseitig am bewaldeten Hang. Querschnitte zeigen, dass die Wasserleitung aus einer U-förmigen Rinne aus Beton oder Mauersteinen bestand – und durchaus auch heute noch besteht -, auf die ein Gewölbe aus Steinen und Mörtel aufgebaut war. Sie verlief zum Schutz vor Frost normalerweise unterhalb der Erdoberfläche.

Der Kanal ist hier auf seinen ersten Metern teilweise vom Erdreich freigestellt und man hat an einigen Stellen die Betondecke aufgebrochen, sodass sich ins Innere der Röhre blicken lässt.

Weiter entlang der Leitung, über den Wiesenweg, gelangt man zur Brunnenstube, ein Becken, in dem die Fließgeschwindigkeit des gesammelten Wassers reduziert wurde, sodass sich Schwebstoffe absetzen konnten. Hier wurde das Wasser in die Wasserleitung eingespeist. Die Brunnenstube hat eine Grundfläche von knapp 2 x 2 Metern und ist teilweise von Mauern umschlossen. An den vorderen Ecken im Mauerwerk sind Reliefs von Medusenköpfen eingebracht. Es handelt sich um Nachbildungen eines Originalfunds, der hier bei Ausgrabungen 1952 entdeckt wurde, er befindet sich heute im Landesmuseum Bonn.

Vor der Brunnenstube, in östlicher Richtung entlang des Talhangs, befindet sich auf einer Länge von ca. 80 Metern eine bis zu 45 cm breite und 100 cm hohe Sickerwasserleitung, die eigentliche Quellfassung, die am Fuß des Talhanges das anstehende Quellwasser sammelte und in die Brunnenstube weiterleitete. Hangseitig war die Leitung wasserdurchlässig und nahm Wasser aus dem Hang auf, auf der hangabgewandten Seite war die Mauer mittels Ton isoliert, um Wasser aus der Urft nicht durchzulassen. Schwere Sandsteinplatten verschlossen die Leitung nach oben. Heute findet man einige der schweren Steinplatten hochgeklappt vor, so dass man die Sickerwasserleitung in Augenschein nehmen kann.

Im Bereich des östlichen Zugangs befinden sich Reste eines Nebengebäudes einer früheren Getreidemühle, der Gronrechtsmühle aus dem Jahr 1730, und einige Teiche. Gegenüber des bewaldeten Hangs entlang der Wiese befindet sich der Bahndamm Köln-Trier. Anbei einige Fotos, die ich bei der Tour aufgenommen habe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.